Underground (UA)
von Lothar Kittstein
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Lange Flure, leergeräumte Operationssäle, die grau-glänzende Großküche und unterirdische Technikräume: Der ehemalige Krankenhauskomplex erzählt vom alltäglichen Leben der stationierten Amerikaner – mitten in, aber doch separiert von seiner Heidelberger Umgebung – und wirkt nach dem Abzug des Militärs wie ausgestorben und beinah unheimlich. Für diesen außergewöhnlichen Ort schreibt der Dramaturg und Autor Lothar Kittstein im Auftrag des Theaters und Orchesters Heidelberg eigens ein Theaterstück, das zu einer Begehung dieser vergangenheitsbeladenen Räume einlädt. Und so taucht der Zuschauer ein in die nächtliche Stimmung voller oberflächlicher Kargheit und greifbarer Erinnerungen: Ganz unterschiedliche Charaktere erzählen von ihrem Leben, lassen die militärische Vergangenheit lebendig werden und hinterfragen immer wieder ihre Vorstellung von einer idealen Zukunft.

Mit: Hans Fleischmann, Bertram Maxim Gärtner, Josepha Grünberg, Florian Mania, Viola Pobitschka, Fabian Oehl, Stefan Reck Martin Wißner, Friedrich Witte

Regie: Frederik Tidén / Bühne und Kostüme: Lisa Jonkers, Alana van den Berg / Dramaturgie: Jürgen Popig, Steffi Michels

Theater und Orchester Heidelberg 2014
BORN WITH THE USA

"Das Publikum folgt den Schauspielern in der Produktion des Theaters Heidelberg, die Regisseur Frederik Tidén in Szene gesetzt hat, in den Heizkeller und in einen Operationssaal. Nicht nur der Marsch durch die unterirdischen Gänge verwirrt. Mit einem Wust poetischer Assoziationen kocht Kittstein Gefühle hoch, die vage ahnen lassen, wie der Krieg Menschen zerstört.

Die Ausstatter Alana van den Berg und Lisa Jonkers tauchen die ausgestorbenen Räume in starke Bühnenbilder. Im ehemaligen OP Platz liegt ein Schauspieler im blauen Krankenhaus-Hemd im Waschbecken und denkt über sein Leben nach. Der Körper krümmt sich im kalten Metall. Ein beklemmendes Bild, das zeigt, wie der Krieg aus Menschen Müll macht.

Hektisch stürmt Stefan Reck den grünweiß getünchten Flur entlang. Vergeblich hechelt er amerikanischen Träumen hinterher. Mit angstverzerrtem Gesicht liegt er dann im grell erleuchteten Aufzug, verprügelt und gebrochen. Hans Fleischmann spricht von gescheiterten Ehen. Gefühle lässt er dabei ersticken. Das Vergessen hinterlässt eine Blutspur."
Elisabeth Maier, nachtkritik.de

“In der finster anmutenden Unterwelt des einstigen US-Hospitals begegnet man einer sehr dunklen Seite der militärischen Supermacht USA.. Und der Tod lebt in Frederik Tidéns düsterer, weitgehend monologischer Inszenierung machtvoll weiter."
Heribert Voigt, Rhein-Neckar-Zeitung

"In den Korridoren und Kellerräumen des Hospitalgebäudes selbst sorgte derweil die Uraufführung des Stückes "Underground" von Lothar Kittstein für eine einmalige Atmosphäre. Der schauspielerische Teil der Veranstaltung führte das Publikum dann zusammen mit seinen Darstellern durch die weitläufigen Keller des Gebäudes, wo die Schicksale der Verwundeten und Verletzten, die früher hier behandelt wurden, zu einer fieberartig-sprunghaften Erzählung mutierten."
Dan Eckert, Mannheimer Morgen